16. Februar 2022

BIRKE MIT HUMOR

An einer Birke hängen 90 Birnen. 13 reife Birnen fallen ab, 24 werden von den Kindern gepflückt und acht von Raupen gefressen. Wie viele Birnen hängen am Baum?

„Wer das Leben zu ernst nimmt, braucht eine Menge Humor, um es zu überstehen“, sagte einst schon unser origineller Charlie Chaplin. Der musste es ja als Ausnahme-Komiker wissen. Tja, am Ende hatte er natürlicherweise nur zum Teil recht, denn überstehen tut das hiesige Leben auch der leidenschaftlichste Humorist nicht. Die Erfahrung des Sterbens bleibt uns allen früher oder später nicht erspart. Aber die Zeit zwischen Kommen und Gehen soll zumindest Spaß machen und so richtig flutschen. Dabei kann eine saftige Portion Humor sehr von Vorteil sein.

Den Humor haben wir nicht mit dem Löffel gegessen, sondern den fidelen Römern zu verdanken – er war zu deren Zeit die Bezeichnung für „Flüssigkeit“, aber auch „Leibessaft“. Die traditionelle Humoralpathologie, die sich aus der 4-Säfte-Lehre entwickelt hat, ist demnach die Krankheitslehre von den 4 Körpersäften, den Humores: Sanguis (Blut), Chole (Gelbgalle), Melanchole (Schwarzgalle) und Phlegma (Schleim). Diese 4 Säfte sind nicht als Flüssigkeiten im engeren Sinn zu verstehen, sondern als Zustände mit den zugeordneten Eigenschaften warm-feucht (Luft), warm-trocken (Feuer), kalt-trocken (Erde), kalt-feucht (Wasser). Gesundheit entspringt aus Sicht der TEM (Traditionelle Europäische Medizin) einer harmonischen Verteilung der vier Elemente bzw. Säfte im Körper. Bei Unausgewogenheit oder Fehlen eines Elementes ist Unwohlsein, Krankheit oder gar Tod die Folge. Humor ist also, wenn es trotzdem fließt.

Botanisch betrachtet ist die Birke (Betula sp.) wohl die humorvollste Baumgattung . Die drei heimischen Betula-Arten, Hänge-Birke (Betula pendula), Moor-Birke (Betula pubescens) und Zwerg-Birke (Betula nana), lieben gleichermaßen eine feuchtwarm-fröhlichluftige Grundstimmung. Ihre Wasserphilie wird in der Bodenkultur zum Drainieren feuchter Untergründe genutzt. Zwischen 500 – 1.000 Liter Wasser (je nach Standort und Alter) pumpt die Birke, die der keltischen Lichtgöttin Brigid geweiht ist, pro Tag von ihren Wurzeln durch ihren schlanken Körper bis hin zu ihren unzähligen durstigen Blättchen. Seit jeher war es die inspirierende Viriditas des „weißen Baumes“, der die Menschen mit der erlösenden Kraft seines Humors aus träger Winterstarre und schwermütiger Lethargie gelockt hat.

BIRKENWASSER – O’zapft is!
Im zeitigen Frühjahr ist der lustvolle Pionierbaum, der den Erdboden für alles nach ihm Keimende feierlich vorbereitet, berstend voll mit protein- und mineralstoffreichem Birkenwasser. Das edle Tröpfchen – achtsam und zum richtigen Zeitpunkt gezapft – ist nicht nur Wellness und Better Aging für Haut und Haar, sondern wirkt auch in uns wie ein durchrauschender Wasserfall, der alles mitreißt, was überflüssig geworden ist. Birkenwasser lässt sich auch wunderbar zu feuchtfröhlichem Birkenwein vergären. Ein Schluck aus diesem spirituellen Jungbrunnen lässt kein noch so müdes Auge trocken.

BIRKENKNOPSEN lassen Blätter der Freude sprossen
Die vorwitzigen Blattknospen der Birke schmecken harzig, leicht aromatisch, scharf und etwas bitter. Wie durchwegs alle essbaren Knospen wirken sie vitalisierend, stoffwechselanregend, katalytisch, ausleitend und entzündungshemmend. Spezielle Anwendungsgebiete des Birkenknospenmazerates: Übersäuerung, Harnwegsinfekte, Allergien, Gicht, Arthritis, Rheuma.
Das humorige, erheiternde Wesen der Birke unterstützt in der Baumheilkunde Kinder, Jugendliche und Erwachsene in stagnierenden, schweren Lebensphasen und im Frühling. Sei es auf der körperlichen Ebene als Wachstumskatalysator, als auch psychisch-mental als Stimmungsaufhellerin. Sie gibt Mut und Zuversicht, richtet auf, wirkt bewegend auf Phlegma und Melanchole und bringt somit stockende Lebensprozesse wieder in Fluss.

BIRKENBLÄTTER – bewegende Grünkraft
Ein tiefenentspanntes Lächeln zaubert wohl jedem von uns das Bild saftiggrüner, im Frühlingswind tanzender Birkenblättchen ins Gesicht. Den “Maibaum” verbinden wir mit kindlicher Leichtigkeit, unbeschwerter Fröhlichkeit und ewigwährender Jugendlichkeit. Will man diese Assoziationen schmackhaft verinnerlichen, lassen sich vor allem die jungen Blättchen gut sammeln. Entweder gleich frisch genießen oder getrocknet zu Birkenmehl vermahlen. Tee oder Tinktur aus Birkenblättern und/oder -knospen werden therapeutisch bei Harnwegsinfekten angewandt. Die Wässerchen haben das Talent die Harnmenge um das 5 – 6-fache zu erhöhen (jedoch nicht beim Gesunden!). Ein kräuterkundiger Bartender verriet uns in einer schwachen Stunde sein vitalisierendes Geheimrezept, um die unangenehmen Folgen durchzechter Nächte zu lindern: 3 x täglich 1 Stamperl Birken-Gin. Ausprobieren und weitersagen!

BIRKENGURKERL – Sauer macht lustig
Wusstet ihr schon? Wilfried und ich sind vom höchst ansteckenden Natur-Virus befallen. Wer davon infiziert ist, weiß ein Lied davon zu singen, dass es einer positiv getestenen Person schier unmöglich ist, einen Schritt nach draussen zu setzen, ohne die Umgebung nach Bestaunbarem, Fotogenem, Essbarem oder anderweitig Verwertbarem abzuscannen. Die Natur steckt immer und überall voller Wunder und Überraschungen. So geschah es auch im Juni letzten Jahres bei einem Abendspazierung. Eine im Mondlicht strahlende Birkenschönheit präsentierte sich unseren Argusaugen mit ihren unzähligen Früchten, die alle zu rufen schienen: „Geht nicht spurlos an uns vorbei, nehmt uns doch bitte mit!“. Wir hatten natürlich prompt Erbarmen und „zufällig“ ein Sackerl mit dabei. Die faszinierenden Früchtchen, die an Mini-Gurkerl erinnern, hüpften bereitwillig in unsere sammelnden Hände. Naheliegenderweise legte ich die frechen Kerlchen – wieder zuhause von unserem Beutezug angekommen – in Essigsud ein. Sie schmecken heute noch wunderbar – unsere Essig-Birkerl.

BIRKE & MISTEL – Ein fröhliches Gespann
Die den Lebensgesetzen trotzende Mistel entzieht sich vollkommen den Wirkungskräften der Erde und des Feuers. Sie ist ein Kind der Luft und des Wassers. Es gibt kein oben, kein unten, sie blüht und fruchtet im Winter, ihr Bezugspunkt ist ihr eigenes Zentrum, ihre Ausbreitung sphärisch. Aufgrund ihrer Signatur wird sie in der Ganzheitsmedizin bei Krebserkrankungen angewandt. Verwendung für heilkundliche Zubereitungen finden die Blätter, die Beeren sind für uns Menschen giftig. So freiheitsliebend die Halbschmarotzerin auch ist, so abhängig ist sie vom ausgewählten Wirtsbaum. Je nach Baumpartner gestalten sich ihr Charakter, ihre inneren Werte und damit auch ihre Wirkung auf uns Menschen unterschiedlich. Mistel ist also nicht gleich Mistel. In der antroposophischen Medizin ist z.B. die Apfelmistel der Weiblichkeit, die Eichenmistel der Männlichkeit zugeordnet. Die Birkenmistel ist ein luftiger, vitaler Typ und hat unter günstigen Umständen die Kraft, die Erde jener unbeweglichen Menschen aufzulockern, in der sie verhaftet sind. Manchmal ist sie sogar imstande, krankmachende Schwermut in Luft aufzulösen. Oft kann sie betagten, des Lebens überdrüssigen Menschen ein letzter Luftballon der Lebensfreude sein, mit dem diese vogelfrei losgelöst aller irdischen Sorgen in die Unendlichkeit fliegen.

BIRKENRINDE – Sonnenschutz 50+
Die Birke ist eine lichthungrige Sonnenanbeterin. Sehr faszinierend ist, dass sich das auf die Rinde auftreffende Sonnenlicht zu Betulin (bis zu 40 %) verdichtet und so dazu beiträgt, die Birke, also genau genommen sich selbst, vor Sonnenbrand zu schützen. Das wasserabweisende Betulin ist für die typische Weißfärbung verantwortlich und wirkt außerdem dem Fäulnisprozess entgegen. Birkenrinde ist der wärmende Lichtblick für jeden Survivalfreak, welcher zum Überleben Feuer benötigt, da sie auch in feuchten Zustand brennbar ist. Aus der zuckerhaltigen Birkenrinde wurden früher nicht nur essbare Dachziegel und Kanus gefertigt, sie wurde auch tatsächlich gemahlen und dem täglich Brot zugesetzt. Therapeutisch sind Präparate aus Birkenrinde bei Hautkrebserkrankungen von großer medizinischer Bedeutung, da diesen nachweislich tumorhemmende Eigenschaften zugeschrieben werden.

BIRKENPORLING (Fomitopsis betulina) – mobile Hausapotheke des Ötzi
Die Birke ist der Baum des Frühlings, mit ihr verbinden wir Jugendlichkeit und Vitalität. Keinen besseren Wirt hätte sich der baumschwammige Birkenporling aussuchen können. Als Holzzersetzer lebt er ausschließlich auf toten oder geschwächten Birken. Der zu Beginn knollige Hut, dessen Haut sich abziehen lässt, kann bis zu 30 cm breit werden. Seine Farbpalette reicht von cremeweiß bis ockerbraun. Die junge Porenschicht an der Unterseite ist weiß, später gräulich. Auffällig ist seine weiche, korkähnliche Konsistenz. Warum ihn Ötzi vor über 5.000 Jahren mit sich trug, können wir nur aufgrund heutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse mutmaßen. Nutzte er ihn äußerlich als blutstillende Wundauflage bei Verletzungen? Oder innerlich bei Infekten ob seiner antibiotischen Wirkung und seiner Fähigkeit, Darmparasiten auszutreiben? Sogar bei seelischen Verstimmungen und Schlafstörungen hätte ihm der Pilz beruhigend zur Seite stehen können. Vielleicht hat ihm der bitter schmeckende Baumschwamm aber auch nach seinen langen, erschöpfenden Wanderungen, überlebenswichtige Vitalität und Regenerationskraft zurück geschenkt. Neueste Studien beschäftigen sich derzeit intensiv mit den tumorhemmenden Eigenschaften des Pilzes. Weitere Anwendungsbereiche: Stärkung des Immunsystems, akute Infekte, Magen- und Darmbeschwerden, Erschöpfung, Allergien. Alles in allem ist der Birkenporling ein spannender, vielseitiger Waldbewohner, von dem wir in Zukunft bestimmt noch viel hören werden.

PS: Verzeiht uns mit einem schmunzelnden Augenzwinkern den wirklich schlechten Birkenwitz zu Beginn des Beitrags. Doch ihr wisst ja: Humor ist, wenn ihr trotzdem gelacht habt;)

In diesem Sinne wünschen wir euch birkige Zeiten der Leichtigkeit,
Sandra & Wilfried

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