10. November 2021

HEUTE SCHON GESHRUBT

Und damit meine ich nicht, ob du heute schon dein Auto geputzt hast.

SHRUB !!! (sprich: Schrab ; engl.: Strauch, Busch; Bedeutung: veganer „Sauerhonig“ oder essigsaurer Fruchtsirup)

Kaum habe ich dieses mir schier im Munde zerfließende Wort zu Ende gesprochen, befinde ich mich auf einem beeindruckenden Markt mitten im antiken, malerischen, bunten, heißen, lauten, lebendigen Persien. Die liebesgewürzmischungsgeschwängerte Luft am Tummelplatz der Begegnung, Geschäftemacherei und SmallTalks umhüllt mich einladend, die Menschen duften zart nach Rosenparfum und das Leben ist einfach nur sinnlich, kommunikativ, schön und feierlich.

Das muss wohl daran liegen, dass mein Unterbewusstsein weiß, dass der etymologische Ursprung des essigsauren Fruchtsirups im Orient liegt. Shrub leitet sich tatsächlich aus dem arabischen Wort „sharab“ für trinken ab. Dieses ist wiederum verwandt mit „sharba“, dem Sirup. Wer weiß, vielleicht verbrachte ich schon mal in einem meiner Leben 1001 Nächte in diesen Regionen. Vor allem der Gedanke an Persien weckt Sehnsucht und Geborgenheit in mir.

Ja, ich weiß schon, warum in die Ferne schweifen, gibt es doch bei uns das heimische Pendant: Den Sauerhonig, oder wissenschaftlich fundierter ausgedrückt: das OXYMEL (oxy=sauer, mel=Honig).

Der SHRUB erlebt vor allem in der Barszene zum Mixen extravaganter Cocktails eine Renaissance, das OXYMEL in der Naturheilkunde.

Beide Kreationen haben eine lange Geschichte. Vorläufer findet man bereits bei den alten Römern und Griechen. POSCA war ein auf Weinessig basierendes antikes Erfrischungsgetränk. In Süd- und Westasien kreierte man später zwei unterschiedliche Getränke. Das eine nannte sich SHARBAT oder SHERBET, ein süßer Trank aus Zitrusfrüchten, Rosenblättern und Gewürzen. Das andere ist das alte persische SEKANJABIN, welches auf Essig und Honig basiert.

Das ursprünglich alkoholfreie SHERBET wurde durch die Handelsmacht Venedig nach Großbritannien gebracht. Aus SHERBET wurde ein traditionelles stark alkoholisches Getränk aus dem Saft von Zitrusfrüchten, Zucker und Spirituosen und SHRUB getauft.

Den Seefahrern hielt der mineralienreiche Frucht-Essig-Sirup Vitaminmangelerkrankungen (z.B. Skorbut) vom Halse hielt. Oft wurden die Alkoholfässer unter der Wasserlinie gelagert. Hier dürfte die Geburtsstunde des Shrub-Cocktails zu finden sein, als man das süße Sauergetränk als wohlschmeckende Beigabe zum nach Salzwasser schmeckenden Alkohol mixte

Ich fühle mich in diesem Fall einfach mehr zum SHRUB hingezogen. Verbinde ich damit Sinnlichkeit, Exotik und Geheimnisvolles. Dabei gibt es wohl kaum was Einfacheres, derartig Erfrischendes als sich seinen persönlichen SHRUB herzustellen. Ich verrate euch heute, wie es geht:

Was du benötigst:

500g Früchte, Kräuter nach Belieben, Geschmack oder Bedarf
500g Essig
500g Bio-Rübenzucker

Zubereitung Variante 2
Früchte und/oder Kräuter zerkleinern und in ein weithalsiges Gefäß geben. Mit kurz aufgekochtem Essig übergießen. Die Früchte müssen vollständig bedeckt sein. Bis zu 2 Wochen kühl und dunkel ziehen lassen. Immer wieder schwenken. Danach den Ansatz durch ein Sieb seihen. Die aufgefangene Flüssigkeit mit dem Zucker kurz aufkochen und sofort in saubere Flaschen füllen.

Zubereitung Variante 1
Früchte und/oder Kräuter zerkleinern und mit Zucker mischen, über Nacht zugedeckt stehen lassen, durch ein Tuch filtern und abpressen, Essig zum Saft geben, in saubere Flaschen abfüllen.

Das war´s auch schon!

Du fragst dich jetzt, was du nun eigentlich mit diesem Trunk anstellen sollst. Berechtigter Einwand.

Unseren Vorfahren, die alltäglich ums Leben und Überleben kämpften, hättest du wohl mit einem Shrub-Cocktail kein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Wohl eher hättest du einen „Bist du noch ganz dicht“-Blick geerntet. Da wir aber in der glückseligen Lage sind, in einer Zeit zu leben, wo auch Genuss seinen festen Platz haben darf, bekommst du von mir ein fruchtiges Rezept mit Spirit:

RIBISEL-SHRUB-GIN FIZZ

2-3 EL Ribisel-Shrub
5cl Gin
Soda oder Tonic Water nach Bedarf
Eis
Früchte, Zitronenmelisse oder Ribiselblatt

Gin, Shrub mit dem Eis in den Shaker (Marmeladeglas mit Deckel!) geben, gut schütteln bis sich Schaum bildet. In Longdrinkgläser abseihen. Mit Soda oder Tonic Water auffüllen. Mit Früchten und Grünzeug garnieren und genießen!

Die alkoholfreie Variante (2 EL mit Soda oder Wasser aufgießen) erfreut dich als sommerliches Erfrischungsgetränk oder stärkt dich als isotonisches Getränk bei sportlicher Betätigung oder regeneriert dich als stoffwechselanregender Immunbooster.

Die ursprüngliche Intention zur Herstellung eines Shrubs war hingegen sehr unromantisch. Essig und Zucker waren auch schon bei unseren Vorfahren als verlässliche Konservierungsmittel bekannt, die ein Aufbewahren von Früchten und Kräutern für Notzeiten ermöglichten. Auch unsere heimischen Ahnen in der Alpenregion war diese Form der Haltbarmachung bekannt. Verwendet wurde zum Abrunden des sauren Essigs allerdings meist Bienenhonig, da Zucker entweder noch nicht bekannt oder unerschwinglich war.

Falls wer das Bedürfnis hat, einzuwenden, dass Honig ja viel gesünder als Zucker ist, sage ich lediglich: Die Dosis macht das Gift!!!

Viel Spaß beim Shrubben!

Sandra Leis

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